Schreibst du auch Hausarbeiten. Foto von Sabine Krömer mit Text darunter: Sag mal, Sabine, schreibst du auch Hausarbeiten?

Schreibst du auch Hausarbeiten?

In dieser Mini-Serie beantworte ich die meist gestellten Fragen an mich. Weiter geht`s mit Frage 2: “Sag mal, Sabine, schreibst du auch Hausarbeiten?”

Immer wieder bekomme ich Anfragen dieser Art: “Ich muss eine Hausarbeit von rund 15 Seiten schreiben und leider drängt der Abgabetermin. Das Problem: ich hab überhaupt keine Zeit, keine Ahnung vom Thema, und mir rennt die Zeit davon. Schreibst du auch Hausarbeiten und kannst mir bitte helfen?”

Um es ganz klar zu sagen: Ich lehne diese Art von Anfragen ab.

Freundlich, verständnisvoll, mitfühlend – aber klipp und klar. Keine Ahnung warum, aber Ghostwriting hat scheinbar in dieser Hinsicht ein eher fragwürdiges Image. Ich muss was Schlaues schreiben und weiß nicht wie? Kein Problem, dafür gibt es ja Ghostwriter. Ich muss meine Doktorarbeit schreiben, habe aber keine Zeit? Kein Problem, dafür gibt es ja Ghostwriter. Vielleicht ist diese Annahme und Denkweise auch Resultat dessen, was wir aus politischen Kreisen beschämend oft zu hören bekommen. Es gibt sogar einen Wikipedia Eintrag mit einer Liste deutscher Dissertationen mit Plagiaten, die zur Aberkennung des Doktorgrades geführt haben. Traurig, aber wahr. Der Titel wird solange stolz vor der Brust getragen – obwohl die ausschmückenden Federn fremde sind – bis es auffliegt. In der Hoffnung, dass das nie geschieht. Ein Problem damit haben scheinbar nicht viele. Ich schon.

Nun geht es bei Anfragen, die mich erreichen, nicht unbedingt um eine Doktorarbeit, wohl aber um Hausarbeiten, die irgendeine Bewertung, Zertifikat, Auszeichnung oder Voraussetzung für weiteres Studium sind. Das dahinterliegende Prinzip bleibt gleich: Autor oder Autorin eines Werkes kann nur der sein, der es selbst geschrieben hat. Man wird nicht Autor, weil irgendwer anderes rechtsgeschäftlich damit einverstanden war. Oder – wie es im Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz) unter § 7 Urheber schlicht und ergreifend heißt:

“Urheber ist der Schöpfer des Werkes”.

& 7 UrhG

Werde ich gebeten, eine Masterarbeit zu schreiben, mit allem was dazugehört, lehne ich das ab. Weil es meine geistige Arbeit ist, die ein Anderer als seine eigene ausgibt. Und dafür unter Umständen ein Diplom/Auszeichnung bekommt, für die er rein gar nichts getan hat. Das kann ich nicht mit meinem moralischen Empfinden vereinbaren.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Bekomme ich hingegen eine grobe Skizze der Masterarbeit mit wichtigen Eckdaten, und es geht nur noch um Struktur, Form und sprachliches Geschick, unterstütze ich gern.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
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Möchte jemand ein Buch schreiben, erzählt mir den Inhalt, und ich schreibe ihn auf, ist das ok. Möchte jemand, dass ich seinen Social Media Kanal mit Inhalt fülle und teilt mir in Stichpunkten mit, was er oder sie sagen will, ist das ok. Ich schreibe dann auch so, dass niemand merkt, dass ein anderer als der Profilinhaber hier schreibt. Das kann ich nämlich gut – mich in andere Menschen versetzen und deren Tonalität übernehmen. Das gleiche gilt für Blog Beiträge von Unternehmen oder Soloselbständigen- hier muss mein Name nicht zwingend unter den Beiträgen stehen, diese Entscheidung trifft das Unternehmen selbst. Möchte jemand allerdings, dass ich ein Referat zu einem beliebigen Thema schreibe und leistet keinen eigenen geistigen Beitrag zum Inhalt, dann ist das nicht ok.⠀

Ghostwriting – wie ich es verstehe und anbiete – bedeutet:⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Den geistigen Input leisten die Auftraggeber:innen, die praktische Umsetzung und Unterstützung leiste ich. Nicht mehr und nicht weniger.

So kann sich jeder ohne Scham im Spiegel anschauen – ich, aber auch meine Kunden und Kundinnen.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Bildnachweis Canva

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