Buchtipp 13 - Keine Zeit für Arschlöcher

Buchtipp 13 – Keine Zeit für Arschlöcher

Bücher, die mich begeistert haben. Mein Buchtipp 13 – Keine Zeit für Arschlöcher

Horst Lichter mag ich. Seine Art, seinen Humor, seine Stimme. Der Mensch, der er zu sein scheint. Neugierig auf einen Teil seiner Geschichte lud ich mir kurzentschlossen ein Hörbuch von und mit ihm als Sprecher herunter. Das Resultat ist mein Buchtipp 13 – “Keine Zeit für Arschlöcher”.

In der Regel bin ich nicht so der Hörbuch Typ. Es gibt wenig Stimmen, die ich so angenehm finde, dass ich ihren Worten über Stunden hinweg aufmerksam lauschen kann. Die Stimme von Horst Lichter ist so eine. Ein Teil meiner Faszination für das Buch ist sicher dieser geschuldet, der weitaus größere aber dem Inhalt. Denn wenn mein Stimmen-Tick auch dazu führen kann, dass du mir gern das Telefonbuch vorlesen kannst, sofern ich deine Stimme liebe, lege ich bei Bewertungen von Büchern natürlich einen strengeren Maßstab zugrunde.

Selbstreflexion packt uns alle irgendwann. Hoffentlich.

Wie bei so vielen Menschen kam auch bei Horst Lichter der Zeitpunkt, an dem er sein bisheriges Leben gründlich unter die Lupe nahm. Eine Bestandsaufnahme machte und überlegte, wie er sein verbleibendes Leben gestalten möchte. Welche Weichen neu gestellt werden, welche Verbindungen gekappt, und welche Wünsche endlich der Erfüllung bedurften. Bei Herrn Lichter kam der Zeitpunkt, als seine Mutter starb. Bei mir kam er, als ich krank wurde. Womöglich kam er bei dir, als du deine Arbeitsstelle verloren hast. Was auch immer es auslöst – ich bin überzeugt, jeder von uns kommt irgendwann an diesen Punkt, und im besten Fall geht es dann leichter weiter als je zuvor.

Biografien von Menschen fand ich schon immer interessant. Besonders solchen, die ganz klein angefangen haben, denen nichts in die Wiege gelegt wurde, und die alles aus eigener Kraft geschafft haben. Plus das oft so nötige Quäntchen Glück, ohne das auch sie nicht das geworden wären, was sie heute sind. Dieses Bekenntnis zum “Glück gehabt” finde ich sehr sympathisch. Kann es doch auch uns passieren – oder ist es sogar schon. Nimmt es doch den verbissenen Druck aus unseren Anstrengungen, und lässt uns mit offeneren Augen durch die Welt gehen. Damit wir das Glück auf keinen Fall verpassen, wenn es sich uns zeigt, sondern mit beiden Händen zugreifen können.

Geschichten aus dem wahren Leben – das sind immer noch die besten.

Horst Lichter erzählt in diesem Buch von seiner Kindheit (nicht leicht, trotzdem kein Grund zum Jammern für ihn), seiner Liebe zum Kochen (in seinem verrückten Restaurant Oldiethek), seinen Erfahrungen im Fernsehen (10 Jahre “Lafer!Lichter! Lecker!“) und seinem Traum, mit seinem Motorrad “einfach so und ohne konkrete Ziele” auf Tour zu gehen.

Ich mochte, dass Hotte – wie er sich selbst liebevoll nennt – seine Mutter nicht auf einen Thron setzte, jetzt, nachdem sie gestorben war. Die Beziehung als schwierig beschrieb. Ihren Charakter gut herausstellte. So, dass ich selbst oft dachte “du meine Güte”, während er selbst in seinen Beschreibungen immer respektvoll blieb.

Ich mochte die Beschreibungen von seinem Restaurant, in dem ich wirklich gern einmal gewesen wäre. Was für eine grandiose Idee, auf einem flämischen Kohleofen vor den Augen der Gäste die Speisen zuzubereiten. In einem Restaurant, in dessen Umfeld alte Autos in Wiesen eingegraben waren und Motorräder in Bäumen hingen. Es erinnerte mich an einen ebensolchen verrückten Koch in meiner Verwandtschaft. Der Sohn meines Cousins – Stefan Richter – hatte jahrelang ein Restaurant in Kalifornien (mit Gästen wie zum Beispiel Sylvester Stallone, ich fasse es nicht!) und heute gleich mehrere in Finnland. Er ist noch keine 50 Jahre und arbeitet nur noch aus Spaß, nicht weil er muss. Sein Talent ist dem von Horst Lichter nicht unähnlich: Beide können ihre Gäste bestens unterhalten. Wenn Können und Entertainment zusammentreffen, scheint wirklich alles möglich zu sein.

Ich fand die Geschichten, die Horst Lichter über seine Zeit beim Fernsehen erzählte, sehr amüsant. Zumal ich die meisten seiner Sendungen persönlich kenne. Und freute mich, dass er wirklich so bodenständig, aufmerksam, wertschätzend und humorvoll ist, wie er sich dort präsentierte. Einzig der Titel “Keine Zeit für Arschlöcher” ist etwas irreführend, denn im Grunde geht es mehr um Liebe.

Die kleinen feinen Weisheiten, die im Buch fast nebenher erzählt werden, sind wichtig, und die meisten bestätige ich. So auch diese:

“Seit ich weiß, wie traurig das Leben sein kann, kann ich mein Glück umso mehr genießen.”

Horst Lichter

Abschließend möchte ich noch eine entscheidende Überlegung zum Buch beisteuern. Es ist nicht nur wichtig, sich beizeiten von Menschen zu lösen, die uns in jeder Hinsicht nicht gut tun, die einfach nur Arschlöcher sind – es ist noch viel wichtiger, selbst keins zu sein. Auch Horst Lichter kommt zwar zur Erkenntnis, dass er selbst auch nicht immer der freundlichste Mensch der Welt war, trotzdem ist mir dieser Gedanke – der einem beim Titel nicht unbedingt in den Sinn kommt – der wichtigste von allen.

Wir alle können einen Unterschied machen. Für eine bessere Welt eintreten. Durch unser eigenes Handeln und Sein. Ein entscheidender Schritt kann der Wunsch sein, keine Zeit für Arschlöcher mehr zu haben. Und die zwingende Konsequenz, selbst keins zu sein.

Horst Lichter ist ein deutscher Koch, trat in diversen Kochshows im Fernsehen auf, hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und ist Entertainer mit Leib und Seele. Seine zahlreichen Auszeichnungen – unter denen auch so lustige sind wie “Bart des Jahres” und “Hutträger des Jahres” können im weiterführenden Link nachgelesen werden.

Bildnachweis Lizenz erteilt von Ullstein Buchverlage

2 Kommentare zu „Buchtipp 13 – Keine Zeit für Arschlöcher“

  1. Große Interesse geweckt! ich werde es mir als Buch kaufen und nicht als Hörbuch…Bin noch sehr altmodisch und mag Papier Seiten umzublättern 🙂
    Danke Dir, Sabine!!

    Grüße aus dem Wienerwald!!

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